Um diese Frage final zu entscheiden, musste das Publikum nicht lange nachdenken. Es wurde manipuliert!
Ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm präsentierten die 33 Wahlhandschuhsheimer, kurz: die Hendsemer Krischer zum zweiten Mal in diesem Jahr unter der Leitung von Sabine Dietenberger im Tikk Theater des Karlstorbahnhofes in Heidelberg.
Unter dem Motto Geld und/oder Liebe wurde am Samstag und Sonntag in einem ausverkauften Haus neben wirklich anspruchsvoller Chor Jazz Literatur von George Gershwin wie immer der Spaß am Gesang mit witzigen, frechen, manchmal selbstgetexteten, manchmal originalen Songs auf das Publikum übertragen. Besonders gelungen war die kurzweilige Mischung aus kleinen kabarettistischen Einlagen und unterschiedlichen Vocalbesetzungen. Matthias Hartmann, der kurzfristig für die erkrankte Pianistin einsprang, erntete Standing Ovations.
Ein Liebesbarometer bildete den Mittelpunkt des Programm. Nach mehr oder weniger manipulierten Publikumsabstimmungen zeigte dieser eindeutig das Gewicht zur Liebe, auch wenn die Soloeinlagen der Krischersisters, wie immer stimmgewaltig und ausdrucksstark dargestellt von Birgit Ric und Sabine Dietenberger, mit erhobenen Zeigefingern die Gefahren des Liebestaumels heraufbeschworen. Die Qualität des Chores ist neben einer sehr ansprechenden musikalischen Leistung die Fähigkeit, ihre schauspielerischen Talente besonders zur Geltung zu bringen. Sabine Dietenberger stellte wieder einmal unter Beweis, dass sie neben versierter Klavierbegleitung und Dirigat eine hervorragende Solistin ist. Ihr Schwung und ihr Engagement trägt die von ihr gegründete spaßorientierte und großbühnenreife Truppe. Wenn schließlich der Frauenchor die singenden Tenöre und Bässe mit ihrem Song Schade, dass ihr gehen müsst kurzfristig verabschiedet, bleibt kein Auge trocken. Die Mimik der Sängerinnen spricht Bände und steigert sich in der Darbietung als Broadway-Ladies, einer Ode an das Geld. In dieser Rolle outen sich die Frauen in babyblauen Putzkitteln und brillieren in Gesang und Schauspielkunst.
Die musikalische Antwort der Männer Frauenchor,... sülzt ins Ohr, aber auch Hymnen an die Liebe und hoffnungsfrohe Bekundungen an die finanzielle Zukunft der Basis des Chores fordern direkt einen Auftritt als reines Männerensembles. Egal in welcher Besetzung die Hendsemer Krischer sich für Geld oder Liebe ins Zeug legen: Als Insidertip ist dieser Chor regional schon nicht mehr zu führen. Das volle Haus, trotz konkurrierender Veranstaltungen im Karlstorbahnhof, ist ein deutlicher Indikator dafür, dass die Hendsemer Krischer aus ihrem Schattendasein herausgetreten sind.
Bleibt zu hoffen, dass ihre nächsten Konzerte in größeren Sälen stattfinden, damit auch alle Interessierten Platz finden werden.
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